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Von ossiu am 19.02.09

MWC: Let's Go Surfin'!

Was war das für eine Aufregung, im Vorfeld des "Mobile World Congress" in Barcelona. War doch das mobile Internet im Laufe des Jahres 2008 von einer Vision zu einer massenhaft erlebten Realität für die Nutzer geworden. Und so kreiste der Berg und gebar ein Mäuschen.

Nur selten war es überflüssiger, viel Geld und Zeit und noch mehr Nerven für die Reise zu einem Branchen-Event auszugeben. Alle wesentliche, in Barcelona erwarteten, Novitäten waren bereits Tage, wenn nicht Wochen vor dem Kongress-Start im Web zu sehen und wurden dort bereits heftig debattiert, lange bevor der erste Messe-Besucher seinen Fuß auf spanischen, sorry: katalanischen Boden gesetzt hatte.

Und auch das Element, das einen Messe- und Kongress-Besuch ansonsten, trotz Web, unverzichtbar machte, der "Flurfunk" in den Hallen, der "Event-Buzz", vulgo: das Gespräch mit Freunden und Kollegen war dieses Mal, Twitter sei Dank!, online intensiver und besser zu verfolgen als vor Ort.

Und was bleibt jenseits von Millionen Tweets nun, nach dem Kongress, erwähnens- bzw. erinnernswert? Eine neue Windows Mobile Version, vorgestellt von Steve Balmer höchstpersönlich? Je, nun ... Oder Nokias "neuer" Ovi-Store? Eine weitere Kopie von Apples "App Store", mit der nun dem bereits vor einem Jahr vorgestellten Ovi-Portal endlich Leben eingehaucht werden sollte. Interessant war daran allenfalls der neu erteilte Segen von T-Mobile, ein neuerlicher Schwenk auf der Suche nach Geschäftsmodellen im mobilen Web.

Auch das zweite Android-Handy aus der HTC-Schmiede, das nun endlich auch Vodafones Kunden mit einem geeigneten Mobile-Web-Endgerät versorgen soll, war nicht gerade ein "Knaller". Zumal dieses wenig phantasievoll "G2" getaufte Gerät eher weniger denn mehr als der Vorgänger (weltweit exklusiv durch T-Mobile erhältlich) zu bieten hat - "jetzt mit ohne Tastatur!" Und wer die vorhergesagte Flut von neuen Android-Geräten (angekündigt von Motorola, Samsung und anderen) wirklich erwartet hatte, konnte eigentlich nur enttäuscht sein. Und weil RIM ("Blackberry Storm") und Palm ("Pre") ihr Innovations-Pulver schon vor der Messe verschossen hatten, blieb allein Sony Ericsson die Ehre einer seltsam blassen Produktvorstellung in Sachen Hardware. Von den zu erwartenden iPhone Clones aus Fernost mal abgesehen: "Nothing at MWC looks or works as well as my iPhone" formulierte ein Tweet lapidar.

Und auch auf der Software-Seite konnte außer dem ebenfalls nicht mehr ganz taufrischen Konzept von "Yahoo! Mobile" (mit gleichem Personal schon auf der Cebit 2008 präsentiert!) kaum eine Präsentation die Gemüter von Journalisten und Fachpublikum erregen. Bis auf Skype für mobile Endgeräte. Und zwar nicht für irgendwelche, sondern für die von Nokia.

Das war allerdings ein Schlag, genau auf die Kinnspitze von T-Mobile und anderen Mobile Carriern. Und die mit diesem Schachzug implizit artikulierte Frage nach dem zukünftigen Geschäftsmodell der Mobilfunk-Betreiber ist vielleicht die einzig wirklich interessante Diskussion, die sich bislang aus dem MWC ergeben hat. Nicht zuletzt von T-Mobile Chef Hamid Akharvan artikuliert:

Auf der einen Seite bringen in den gesättigten europäischen und amerikanischen Märkten allein mobile Web-Anwendungen auf den geeigneten Endgeräten noch nennenswerte Zuwächse. Und genau deren Vorteile für die Nutzer - von Mail über "Location Based Services" bis hin zu "Voice over (mobile) IP" - sind es, die auf der anderen Seite das herkömmliche, auf der Abrechnung von Gesprächsminuten und Daten-Volumina basierende Geschäftsmodell der Mobilfunker "kannibalisieren". So hat sich die im T-Mobile-Netz transportierte Datenmenge im vergangenen Jahr zwar verdreifacht - die damit generierten Umsätze stiegen allerdings "nur" um 45%.

Erinnert, sicher nicht zufällig, an das "Problem Internet" in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals waren es die Festnetz-Betreiber, die über das gleiche Dilemma klagten. Die exponentiell wachsende Internet-Nutzung verlangte eine ebenso dynamische Infrastruktur, während die "Cash-Cow", der Umsatz aus den Gesprächsminuten im Festnetz, dramatisch abnahm.

Mal abgesehen davon, dass die aktuelle mobile Web-Nutzung nun endlich die fast schon abgeschriebenen Investitionen (erinnert sich eigentlich noch jemand an die legendäre "UMTS-Versteigerung"?) in ein mobiles Datennetz zu rechtfertigen scheint, ist die bislang einzig vorstellbare Lösung des Problems auch schon seit der Jahrtausendwende bekannt:

Günstige "Flatrates" (die den Namen auch verdienen und die Nutzer ständig online halten) treiben die massen- und dauerhafte Netzwerk-Nutzung von Unternehmen wie privaten Anwendern und sorgen somit für ein auskömmliches "Bread'n Butter" Business - wenn auch bei niedrigen Margen. Das Discounter-Modell. Darüber hinaus bieten besondere Dienste mit ebenso besonderen Dienstmerkmalen einen echten "Mehrwert", für den insbesondere Geschäftskunden auch bereit sind, mehr zu bezahlen. Und versprechen höhere Margen bei deutlich geringeren Umsätzen.

Welches der beiden Modelle, bzw. welche Mischung davon, für einen Anbieter das auf die Dauer lukrativere und erfolgreichere sein wird, muss das Management nach betriebswirtschaftlichen Kriterien entscheiden. Welche Dienste zu welchen Preisen das im einzelnen sein werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen - und über den Erfolg des jeweiligen Managements entscheiden.

Insofern ist auch diese Diskussion nicht eigentlich neu und ihr Ergebnis, wenn schon (noch) nicht absehbar, dann doch aus der Geschichte des Internets abzuleiten. Also nicht wirklich überraschend. Let's go surfin'!

Kommentare …

Hm, hat das G2 dann wenigstens einen dickeren Akku, so dass es mehr als 12h 'rennt'?

20.02.09 09:18   von OLiver Gassner