Archiv Oktober 2013

Neues zur Digitalen Aufklärung »

Sybille Nottebohm von der Econ Referentenagentur hat einen Blogpost zur Vorstellung unseres Buches in München geschrieben. Ein sehr lesenswertes Stück:

http://www.econ-referenten.de/blog/2013/10/digitale-aufklaerung-tim-cole-ossi-urchs/

Und dann gab es gestern Abend auch noch eine recht muntere Talk-Show mit Tim und mir zum Thema "Digitale Aufklärung". Der engagierte Gunnar Sohn moderierte, witzig und ausgesprochen gut vorbereitet, so dass unser Gespräch zum reinen Vergnügen wurde. Vervollständigt wurde die Runde durch Hannes Schleeh von Bloggercamp.tv

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Sacred Speech - die Heilige Rede »

ich habe versucht, den Text, mit dem Baba Rampuriji die Seite zur Unterstützung und zur Diskussion um sein neues Buch begonnen hat, hier ins Deutsche zu übersetzen, um sein Anliegen verständlicher zu machen:

The Matrix of Sacred Speech - Empowering the Spiritual Mind

Die Mutter der Heiligen Rede - Kräftigung des Spirituellen Geistes

Baba Rampuri

Die Schwierigkeiten bei der Übersetzung dieses Textes und des kommenden Buches von Baba Rampuri beginnen schon beim zweiten Wort der Überschrift: „Matrix" ...

Saraswati_Devi.png

Weiterlesen „Sacred Speech - die Heilige Rede“

Eine richtige Rezension ... »

... wird das nicht, schrieb einleitend zu seinem Text über das neue Buch von Tim Cole und mir "Digitale Aufklärung - Warum uns das Internet klüger macht", mein Namensvetter Max Urchs (weder verwand noch verschwägert), hauptamtlich Philosoph unter anderem an der EBS (European Business School) in Wiesbaden. Und nachfolgend kommt hier der Rest von seinem Lied:

Ihr habt ein wunderbares Buch
geschrieben, es liest sich runter wie ein Krimi und
hinterher schwirrt einem der Kopf von den vielen neuen
Ideen, die man beim Lesen aufgeschnappt hat. Ich bin froh,
Dich zu kennen, sonst hätte ich das Buch vielleicht erst
viel später gefunden. Also nochmal: Gratulation, toll
gemacht.

Ich merke schon, so geht es nun auch nicht. Stimmt zwar
alles, was ich geschrieben habe. Nur wird es dem Buch
nicht gerecht. Es ist ja kein Krimi. Es ist ein
philosophisches Buch. So habe ich es dem Frankfurter
Buchhändler gesagt, der es bei "Ratgeber in Rechtsfragen"
eingeordnet hatte.

Das ist der erste Punkt: Wie erreicht ihr die Zielgruppe
und -- wer ist die Zielgruppe? Ein gut geschriebenes und
sorgfältig editiertes Buch (da hat sich der Verlag richtig
reingehängt), für das man auch noch bezahlen soll, das
wirkt bei dem Thema fast paradox. Aber gut, der Wegweiser
muss bekanntlich nicht vorangehen. Ich hab es meinen
Studenten ans Herz gelegt. Sie sind lieb und werden es
kaufen. Aber die meisten Kids werden sich fragen, warum
sie sich wohl von zwei Opis ihre Welt erklären lassen
sollen. (Opa Max denkt natürlich trotzdem darüber nach,
wie man das Buch für ein Seminar nutzen könnte. Dazu
später mal mehr.)

Also Zielgruppe gebildeter Mittelstand. Dann passt alles,
hier wird das Buch einschlagen. Wenngleich vielleicht
nicht so schnell wie erwartet. Was der Sascha Lobo jetzt
auf Spiegel online zur Quasiprivatheit des Netzes
verfasst, das ist einfach nur ärgerlich, wenn man dazu
Euere Überlegungen gelesen hat.

Die Gedankenfülle ist umwerfend. "Die Upanishaden handeln
insofern auch von den Bedingungen der Möglichkeit
vernetzter Informationsverarbeitung." Drei Kulturen in
einem kurzen Satz -- wow! Dabei, grosses Kompliment, hat
man nie den Eindruck, ihr würdet über den Text
hinschludern. Ausnahme (aus meiner Sicht) sind die kurzen
Bemerkungen zum Entscheidungsproblem. Das ist schweres
Zeug, aber man kann es klarer schreiben. Auch die offenbar
zentrale "Lehre der Spinne" könnte noch etwas
verständlicher rüberkommen.

Hochinteressant die Gedanken zur Zukunft der Demokratie.
Und mir aus dem Herzen gesprochen. Gauck und Co hätten
mich mit ihrem angstvollen Gelaber fast erstmalig zum
Nichtwähler gemacht. Zukunft der Politik, Zukunft der
Arbeit, Rolle des Staates -- Euer Text gehört zum Besten,
was ich seit langem gelesen habe. Ein beneidenswertes
Talent, klar zu denken und klar, dazu noch witzig, zu
schreiben.

Man nimmt praktische Anregungen mit. (Bei mir z.B.: social
media guidelines für Uni machen, wie soll man mit
Plagiatsjägern umgehen, was wird aus eLearning, mal wieder
bei twitter vorbeischauen und endlich lernen, wie man Ossi
diesen Text per facebook schickt.)

Andere Sachen brauchen tieferes Nachdenken. Geradezu
augenöffend die Bemerkungen zu Universalität und
Menschenrechten. Da muß ich weiter nachedenken. Auch
darüber, wie Institutionen als Teile sozialer Netzwerke
funktionieren. Nämlich offenbar schlecht. Wir mühen uns
als EBS seit langem erfolglos. Selbst die Stars (e.g. Harvard
Business School mit Millionenetat hat weniger followers
als ein mittelguter blogger). Fehlt Institutionen
vielleicht irgendwas?

Was fehlt mir? Viel mehr vom letzten Teil. Ihr seid auf
dem richtigen Weg: was wir brauchen ist eine Sprache für
die neue Welt, die uns Orientierung und Sicherheit für das
Leben in jenen unbekannten Gebiete gibt. Wir sind zögernd
oder auch frohlockend auf dem Weg. Ihr beiden seid weit
voraus, umgeben von lärmenden Kids. Aber denen fehlt das
Handwerkszeug des Humanisten, von denen wird keine grosse
Hilfe kommen, wenn es um sprachlich-kulturelle Kontinuität
geht. Ihr habt alles Recht stolz zu sein, auf das Buch.
Aber ich habe den Eindruck, die Arbeit muß weitergehen.

Einverstanden: Selbst Denken ist gefordert. Aber es geht
nicht um eigenbrötlerisches Sinnieren. Es geht um den
gesellschaftlichen Diskurs. Den müsst ihr mit weiterer
Pionierarbeit an den Begriffen befördern helfen.

Danke für die Rezension, Max!

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(Mehr als) Eine Laudatio »

In den letzten Woche habe ich an dieser Stelle die 10 zentralen Thesen des Buches von Tim Cole und mir "Digitale Aufklärung - Warum uns das Internet klüger macht" veröffentlicht. Am Montag fand nun im Münchner Presseclub die Vorstellung unseres Buches statt. Dabei hielt Michael Kausch die Laudatio, die mir so gelungen und denkwürdig scheint, dass ich hier anstatt einer Zusammenfassung der vorhergehenden Artikel einfach auf diesen wunderbaren Beitrag, den Michael auf Czyslansky.net veröffentlicht hat verweisen möchte: Die Laudatio.

Laudatio.jpg

Danke, Michael!

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Warum wir eine digitale Aufklärung brauchen »

Aus dem bislang Beschriebenen, aus den Thesen selbst wie aus deren Begründung, ergibt sich die Notwendigkeit einer neuen Aufklärung im Zeichen von Digitalisierung und globaler Vernetzung. Wie schon bei der ursprünglichen, bürgerlichen Aufklärung ergibt sich deren Notwendigkeit aus der Entwicklung der gesellschaftlichen Bedingungen.

Im Gefolge der klassischen Aufklärung, die nicht ohne Grund im Englischen als "Enlightenment", also "Erleuchtung" bezeichnet wird, wurden in Europa aristokratische Regimes überwunden, Städte aus den Fesseln von Standesdünkel und Zunftherrschaft befreit und menschliche Freiheits- und andere Grundrechte erstmals kategorisch formuliert. Der damit einhergehende Aufschwung war nicht nur geistiger, sondern insbesondere gesellschaftlicher und nicht zuletzt wirtschaftlicher Natur.

Heute brauchen wir wieder eine Aufklärung, also den Mut und die Fähigkeit, Digitalisierung und Vernetzung "selbst zu denken", um sie schließlich ihrem Potenzial entsprechend wirklich produktiv werden zu lassen:

These 10:
Wir brauchen eine „digitale Aufklärung": neu und selbst gedachte Kategorien, die allein dieser grundsätzlich veränderten Welt gerecht werden können. Nur damit können wir diese Welt kritisch reflektieren und produktiv nutzen.

In einer ähnlichen Situation des fundamentalen Wandels befand sich die Menschheit schon einmal gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Erstarrte gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhältnisse wurden über den Haufen geworfen. Das zwischen klassischer Logik und mittelalterlicher Scholastik gefangene Denken war hoffnungslos überfordert angesichts der gewaltigen Dynamik der Veränderungen. Angesichts dieses klassischen Dilemmas bestand Immanuel Kants Antwort in seiner Maxime: „Jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung." Vor der gleichen Aufgabe stehen wir heute angesichts der digitalen Aufklärung.

Aufklärung und kritischer Diskurs darüber, was Digitalisierung und Vernetzung wirklich bedeuten, gesellschaftlich, wirtschaftlich und kulturell, ist heute notwendiger denn je. Allein es fehlen die dafür notwendigen Kategorien und Parameter. Denn der Traum der Vernunft ist inzwischen ebenso ausgeträumt wie der der Politischen Ökonomie und der Psycho-Analyse. Sie alle mögen uns einzelne und als solche durchaus taugliche Werkzeuge liefern, wie im übrigen auch Mathematik und Informatik, Medien- und Kommunikationstheorie, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften; zur Orientierung, gar als Maßstab oder Stütze auf dem Weg in die neue, digitale Wirklichkeit sind sie alle nicht mehr zu gebrauchen.

Entwickeln können wir eine solche Neu-Orientierung nur, indem wir uns den neuen, digitalen Anforderungen stellen, hellwach ihre Differenz zu den uns bekannten Realitäten anerkennen und unterwegs keine Mühen und Rückschläge scheuen. Der Weg in die vor uns liegende Zukunft ist noch lang. Kompass und Karten gibt es hier nicht. Wir müssen die digital vernetzte Welt neu vermessen.

Buchcover: Digitale Aufklärung - Warum uns das Internet klüger macht, von Ossi Urchs & Tim Cole

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Neue Begriffe braucht der vernetzte Mensch! »

Nach dem sich bereits zu unserer letzten These, nach der das menschliche Denken zunehmend vernetzt und digital funktioniert, eine lebhafte Diskussion entwickelte, besteht ja noch Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Diskurs-Kultur in diesem Land. Wurde die Neuland-Kanzlerin bei den Wahlen noch beinah kommentarlos durch gewunken und zur nächsten Runde ihres Regierunspokers mit häufig wechselnden Spielpartern getragen, wollte bei mir das Prinzip Hoffnung schon ausführlich Pause machen. Aber nichts dergleichen scheint angebracht, angesichts immer neuer Mitglieder im Chor der Rufer nach einer neuen Aufklärung - von Heiner Geissler bis Sascha Lobo.

Allerdings dringen sie alle in ihren Forderungen und Überlegungen nicht zu einem, gerade in diesem Zusammenhang wesentlichen Punkt vor: Ein neues, digital aufgeklärtes Denken, verlangt nicht nur den Mut, selbst zu denken, es verlangt vor allem auch eine entsprechende, neue Begrifflichkeit, Kategorien, die es uns erlauben, das Neue auch wirklich als solches zu fassen und zu verstehen. Es geht hier überhaupt nicht darum, sich Neologismen auszudenken, im Gegenteil besteht die Aufgabe hier darin durchaus bekannte Kategorien mit neuen, den veränderten Bedingungen entsprechenden, Bedeutungen und Zusammenhängen anzureichern, wollen wir nicht hoffnungslos der Gegenwart gedanklich hinter hinken, um schließlich ins intellektuelle Niemandsland zu entschwinden.

These 9: Begriffe und Erfahrungen aus der analogen Vergangenheit werden dieser, sich dynamisch weiter entwickelnden Gegenwart immer weniger gerecht. Sie wirken in der aktuellen Debatte ebenso naiv wie unpassend oder überheblich. In jedem Fall aber hilflos.

Und noch eine Schwierigkeit gilt es zu meistern, die insbesondere in der aktuellen Debatte um das Internet immer deutlicher zum Vorschein kommt: Wir sind kulturell und sprachlich auf das, was wir heute erleben, in keiner Weise vorbereitet. Begriffe und Vorstellungen der Vergangenheit wirken angesichts der uns heute so eindrücklich begegnenden Veränderungen seltsam unpassend, ja antiquiert.

Wer sich heute noch einmal der Mühe unterzieht, die großen Medien- und Technologiedebatten nachzulesen, die zwischen den 60er und den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgetragen wurden, wird schnell bemerken, wie unzeitgemäß sie uns inzwischen erscheinen. Die „Aufreger" von damals, ob Privatfernsehen oder Volkszählung, entlocken uns heute nicht einmal mehr ein Gähnen. Neue Medien sind heute nicht mehr neu, sondern Schnee von gestern, und für Datenschutz muss heute im Zeitalter von NSA und WikiLeaks jeder selbst sorgen, will man nicht ganz freiwillig darauf verzichten.

Wer das Internet gar, wie Jaron Lanier, für „Maoismus" hält und sich von der Informationsflut überfordert fühlt, wie Frank Schirrmacher, wirkt heute nicht einmal mehr naiv, sondern allenfalls hilflos.


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Wir alle denken vernetzt (und zunehmend) digital »

Wenn sich durch den Einfluss von globaler Vernetzung und umfassender Digitalisierung unser aller Leben so grundsätzlich ändert, wie wir alle es täglich erleben, stellt sich unwillkürlich die Frage, wie unser Denken mit diesen Veränderungen Schritt halten kann. Das kann eigentlich nur funktionieren, wenn unser Denken der neuen Situation strukturell entspricht. Und das tut es tatsächlich: Wir alle denken seit eh und je in vernetzten Strukturen.

Ebenso wenig, wie wir allein und isoliert (über-)leben können, können wir uns unser Dasein allein und als "Monade" vorstellen. Wir sind es gewohnt uns in Gesellschaft vorzustellen, und sei es in Antagonismus zu einem Gegner. Und je mehr digitale Strukturen Einzug in unsere Wirklichkeit halten, desto mehr wird uns das Denken in binären Strukturen zur "zweiten Natur". Dies gilt es zu realisieren und für unsere weitere Entwicklung als Gesellschaften und als Individuen zu nutzen. Darin keinen Widerspruch, sondern sich ergänzende Strukturen zu sehen, bedeutet allerdings schon für sich eine gehörige Anstrengung, die mit "gesundem Menschenverstand" allein nicht zu bewältigen ist.


These 8: Auch der Mensch und sein Denken verändert sich grundsätzlich: Er funktioniert und denkt zunehmend digital und vernetzt. Und das in „Echtzeit".

Ganz im Sinne von Peter Sloterdijks Aufforderung „Du musst dein Leben ändern " geht es heute andauernd und immer wieder um die (geistes-)athletische Übung, das eigene Denken neu zu gestalten. Wenn schon nicht direkt hilfreich, dann doch tröstlich mag bei diesem anstrengendem Training die Gewissheit sein, dass die heute aktuelle Lektion vor allem darin besteht, digitale und vernetzte Systeme zu erfassen und geistig zu durchdringen, also eigentlich so zu funktionieren wie das menschliche Denken selbst, in dem ja auch unterschiedliche sensorische Impulse zu einem (vernetzten) Welt- und Selbstbild synthetisiert werden. Das menschliche Denken funktioniert, darin sind sich Kognitionswissenschaftler heute weitgehend einig, so wie ein digitales Netzwerk.

Das hat nun nichts mit der naiven Vorstellung der frühen Aufklärung zu tun, nach der der Mensch wie eine Maschine („Automaton") funktioniere. Im aktuellen Fall geht es vielmehr darum, Strukturen und Funktionsweisen externer, technischer Systeme als ähnlich denen unseres Denkens zu verstehen und auszubilden. Es geht weniger um eine „Internalisierung" im psychologischen Sinn, sondern um die Erkenntnis bestehender „Differenzen" - also um Informationsverarbeitung in einem durchaus menschlichen Sinn. Die eigentliche Schwierigkeit besteht dann auch weniger in der Aufgabe der Informationsverarbeitung selbst, als vielmehr darin, sie zu bewältigen, also mit ihr klar zu kommen, während solche disruptiven Entwicklungen stattfinden, um von ihrer Dynamik auch profitieren zu können.

Buchcover: Digitale Aufklärung - Warum uns das Internet klüger macht, von Ossi Urchs & Tim Cole

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